Geschichte

Die Geschichte des Fliegens 

Die bekannteste Geschichte des Fliegens kann mit einer Mythologie von den Sumerer und Griechen beginnen. Die auf der Insel Kreta gefangenen Dädalos und Ikarus klebten mit Hilfe von Wachs Vogelfedern zusammen. Dädalos gelang die Flucht von der Insel. Ikarus flog laut legende zu nah an die Sonne und stürzte ab. 

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Geschichte des Menschenflugs, waren die Forschungen von Leonardo da Vinci (1500 n. Chr.). Er beobachtete an den Berghängen fliegende Greifvögel und studierte die Anatomie dieser. Da Vinci erkannte auch ohne theoretisches Wissen, dass es eine hebende Kraft gibt die spezielle Flugmanöver möglich machte. 

Diese Studien/Forschungen wurden im 19. Jahrhundert von Otto Lilienthal wiederentdeckt. Mit seinem Flugapparat aus Weidenruten und Baumwollstoff gelangen Otto Lilienthal bereits 1891 die ersten Gleitflüge. Am 9. August 1896 stürzte er ab. Bis zu diesem Zeitpunkt unternahm er bis zu 2000 Flugversuche und legte damit die Grundlagen des Motorfluges der Gebrüder Wright sieben Jahre später.(Jenrich 2007, Die Wasserkuppe) 

“Opfer müssen gebracht werden”

Zitat von Otto Lilienthal auf dem Sterbebett

Die Geschichte des Segelfluges auf der Wasserkuppe

1911

Oskar Ursinus verlegte den Flugbetrieb der Darmstädter Studenten auf die Wasserkuppe. Hier gelangen ihnen Flugstrecken mit ihrem einfachen Doppeldecker (F.S.V. 8) von 450 Meter. 


1912 – 1913

Auch in diesen Jahren kamen die Darmstädter Studenten auf die Wasserkuppe um Flugversuche durchzuführen. Am 22.Juli 1912 gelang Hans Gutermuth in seinem einfachen Doppeldecker (F.S.V. 10) eine Flugstrecke von 840 Meter. Er brach damit den Rekord der Gebrüder Wright von 622 Meter. 


1914 – 1918 

In der Zeit des ersten Weltkrieges wurde das Bauen und Erproben von Gleit- und Segelflugzeugen unterbrochen. 


1919

Nach Ende des ersten Weltkriegs erlaubte der Versailler Vertrag den Motorflug nur mit begrenzter PS Zahl und den Segelflug. Viele Fachkräfte, die im ersten Weltkrieg zum Motorflugzeugbau befohlen wurden, verloren ihre Arbeit. Sie und ehemalige Kriegspiloten waren es, die jetzt den Segelflug entscheidend voranbrachten.  


1920 

Der erste Rhönwettbewerb fand vom 15. Juli – 31. August statt. Am erfolgreichsten war ein Flugzeug der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen. Dipl. Ing. W. Klemperer erfolg mit seinem „Schwarzen Teufel“ eine strecke von 1830 Meter (der erste offizielle Weltrekord im Streckenflug). 


1923

Der Ring der Flieger gab den Bau des Fliegerdenkmals in Auftrag. Das Denkmal mit dem prachtvollen Adler mit Blick in Richtung Versaille erinnert an die Flugbeschränkung nach dem ersten Weltkrieg. Die Inschrift des Fliegerdenkmals lautet:

Wir toten Flieger bleiben Sieger durch uns allein

Volk, flieg du wieder und du wirst Sieger durch dich allein“


1924

In diesem Jahr wurde Martens Fliegerschule auf der Wasserkuppe gegründet.

Als neue Zentralstelle wurde die „Rhön-Rositten-Gesellschaft e.V.“ gegründet. 


1930 

Der Flugbetrieb erfolgte zum ersten Mal ganzjährig und nicht nur im Rahmen der Rhönwettbewerbe. 


1933

Durch die nationalsozialistische Machtergreifung wurde der sportliche Charakter des Segelfluges mehr und mehr politisch und militärisch instrumentalisiert. Die Segelfliegerschule Wasserkuppe der Rhön-Rositten-Gesellschaft e.V. wurde in „Fliegerschule des Deutschen Forschungsinstitut für Segelflug“ (Reichssegelflugschule) umbenannt. 


1934

In diesem Jahr wurde die Hermann-Göring-Halle erbaut, sie gab Raum für 60 Flugzeuge, Werkstätten, Garagen und sanitären Anlagen. 


1939

Durch die Fertigstellung des Ring- und Lilienthalhauses mit Ehrenhalle wurde die Reichssegelflugschule zu einem großen Gebäudeviereck. 


1944

An Pfingsten in diesem Jahr wurde die Wasserkuppe bombardiert. Als Folge daraus brannte die Hermann-Göring-Halle nieder und vernichtete so die meisten der hier stationierten Segelflugzeuge. 


1945

Die amerikanische Armee trifft auf der Wasserkuppe ein und beschlagnahmt die gesamten bebauten Gebiete einschließlich der Reichssegelflugschule und Berggasthof mit dem Turm. Kurz nach der Einzäunung des gesamten Geländes schlichen sich Gersfelder Segelflieger in einer Nacht- und Nebelaktion wieder zurück auf die Wasserkuppe. Hier wollten sie Konstruktionspläne, Beschläge und Windenteile der noch gelagerten Flugzeuge mitnehmen. 


1947

Die Martens-Fliegerschule wurde abgerissen.

In diesem Jahr wurde der „Ring der weißen Möwen“ gegründet, die erste Vereinigung deutscher Segelflieger nach dem zweiten Weltkrieg. 


1951

Die Alliierten zögerten lange den Segelflug wieder freizugeben. Schließlich wurde das Verbot im Juni aufgehoben. Daraufhin organisierte der Deutsche Aero-Club im August ein internationales Fliegertreffen. Diesem Ruf folgten an den zwei Tagen rund 50.000 Flugbegeisterte auf die Wasserkuppe. Dieser Tag ging als „Fest der Freude“ in die Geschichte der Wasserkuppe ein. 


1952

Im April wurde die noch heute existierende „Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges auf der Wasserkuppe/Rhön e.V.“ gegründet. In ihr schlossen sich die Rhönfluggruppen zur gemeinsamen Arbeit zusammen. 


1953

Alle Rhönfluggruppen auf der Wasserkuppe bemühten sich wieder Segelflugzeuge zu beschaffen. 


1962

Die Start- und Landebahn auf dem Motorfluggelände wurde mit einer länge von 650 Meter fertiggestellt. 


1986

Mit der Ausweisung zum Naturschutzgebiet Rotes Moor wurde dieses Gelände für den Flugbetrieb gesperrt. 


1997

Die Start- und Landebahn wurde nochmals verlängert, ein Teil davon wurde asphaltiert. Die gesamte Start- und Landestrecke beträgt noch heute mit Grasstreifen ca. 800 Meter. 

 

Quelle: Jenrich 2007, Die Wasserkuppe Ein Berg mit Geschichte